Josef Kraus referierte zum Thema beim Stammtisch der CSU-Senioren
Ergolding. Beim gut besuchten Stammtisch der CSU-Senioren in den Ergoldinger Stuben sprach Josef Kraus zum Thema „Im Rausch der Dekadenz – Der Westen am Scheideweg“. Der Vortrag des ehemaligen Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes, langjährigen Gymnasialdirektors in Vilsbiburg und Autors zahlreicher Sachbücher stieß auf große Aufmerksamkeit und wurde von den Anwesenden mit viel Applaus aufgenommen. Vorsitzende Renate Zitzelsberger begrüßte Kraus als einen Bildungsexperten, der bundesweit für klare Worte bekannt ist.

Im Mittelpunkt des Vortrags standen Fragen nach Bildungsqualität, Wertewandel, ideologischer Einseitigkeit und dem Zustand der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Kraus betonte, sein Beitrag sei kein kulturpessimistischer Abgesang, sondern ein leidenschaftlicher Appell zum Umdenken und zu mehr Mut zur offenen Debatte. Zwar werde älteren Menschen oft vorgehalten, sie sähen Entwicklungen zu kritisch, doch Kraus machte deutlich, dass seine Sorge um das Land, die Demokratie und die junge Generation ernst gemeint sei. Er wolle keine depressive Stimmung verbreiten, sondern dazu anregen, genauer hinzusehen. Kraus sprach von einem spürbaren wirtschaftlichen Niedergang, den er unter anderem auf die Energiepolitik zurückführte. Besonders kritisch bewertete er den Zustand des Bildungssystems, das sich seiner Einschätzung nach „im freien Fall“ befinde. In der Gesellschaft beobachte er zudem Phänomene wie bewussten Verzicht auf Kinder, nachlassende Verteidigungsbereitschaft, zunehmendes Lust- und Genussstreben, Selbstablehnung, eine übersteigerte Form von Toleranz, fortschreitende Entchristlichung und das Entstehen neuer Ersatzreligionen. All diese Entwicklungen müssten offen diskutiert werden, so Kraus, denn Toleranz könne nur auf Gegenseitigkeit beruhen. Der Wohlstand der vergangenen Jahrzehnte werde vielfach als selbstverständlich betrachtet, sagte Kraus. Umso schwerer falle es, sich auf veränderte Rahmenbedingungen einzustellen. Er plädierte dafür, „etwas mehr Revolte für das Normale“ zu wagen und gesellschaftliche Selbstverständlichkeiten wieder stärker zu hinterfragen. Zum Abschluss zitierte er den Satz: „Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom; lebendige Fische schwimmen dagegen.“ Die anschließende Diskussion zeigte, wie sehr das Thema die Zuhörer beschäftigte.
Zum Ende der Veranstaltung dankte Renate Zitzelsberger dem Referenten für seine Ausführungen und merkte an, dass sich viele Bürger angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen nicht mehr ausreichend wahrgenommen fühlten.
Mit dem Hinweis auf die nächste Veranstaltung am Mittwoch, 20 Mai ab 14 Uhr Besichtigung der Gärten bei Heinrich Hahn in Binabiburg und dem Tagesausflug am Mittwoch, 17. Juni nach Mödlareuth mit Porzellanikon in Selb schloss sie den informativen Stammtisch.
Bildbeschreibungen von links: Die Vorstände Waldemar Steinbring und Josef Haselbeck sowie die Vorsitzende Renate Zitzelsberger bedanken sich beim Referenten Josef Kraus. Josef Kraus bei seinem Vortrag.
Bericht und Bilder von Josef Rothenaigner